Briefe von Frauen
Lieber Andrew,
Ich merke, dass sich in dem Ausdruck von Unabhängigkeit im
bewussten Austausch mit anderen das Gefühl, eine Frau zu sein,
fast in nichts auflöst. Das finde ich unglaublich aufregend – es
fühlt sich so FREI an. Das, was normalerweise ein so
grundlegender Teil meines Selbstgefühls ist, verschwindet
einfach, weil ich mich darauf konzentriere, mich zu
entwickeln. Es ist, als wenn ein Korken aus dem Flaschenhals
fliegt und alles schneller und schneller fließt, denn
normalerweise ist dieses Selbstgefühl im Weg und verbraucht so
viel von meiner Energie und Aufmerksamkeit. Und jetzt, wo ich es
zurücklasse, fühlt es sich an, als wenn alle Grenzen und
Einschränkungen und Beschränkungen und Verhaltensweisen und
angeborenen Selbstbeschränkungen, die von dem tiefen Gefühl
herrühren, was eine Frau sein sollte und wie sie sich verhalten
sollte – als wenn all das herausgerissen wird, und da ist eine
tiefe, aufwallende Freude. Wir setzen das Selbst frei, wir
befreien die Seele von der Identität der Frau und das
Authentische Selbst kann in seiner Herrlichkeit die Gelegenheit
ergreifen, das LEBEN jetzt zu erkunden, auszudrücken, zu
schaffen, durch unsere Körper, unsere Herzen und unseren Geist,
gemeinsam.
Laura
Lieber Andrew,
Als die Frauen sich letzte Nacht trafen, flog ein paarmal
fast das Dach weg, glaube ich. Die totale Freude und Positivität
war manchmal überwältigend und fast unerträglich. Es fiel mir
auf, dass die Unabhängigkeit, die wir zu entdecken beginnen,
bisher keine Struktur war, die in uns Frauen existiert hat.
Während wir sprachen, wurde mir immer bewusster, dass das, was
in meiner Erfahrung passierte, etwas war, was ich anfänglich als
"Kraft“ beschrieb, die mich aus meinem Inneren heraus
niederwaltzte und nichts mehr wollte als mich in ihrer
zielgerichteten Absicht sich zu entwickeln und über alles, was
ich schon weiß, hinauszuspringen, zu vernichten. Danach wurde
mir klar, dass ich diese "Kraft“ bin, es ist meine eigene
Absicht, aber das ist so anders als jede Idee, die ich über
Autonomie habe, dass ich sie nie erkannt hätte. Das ist so frei
von allem Persönlichen, so frei von meiner individuellen Persönlichkeit, dass man es fast als etwas "Anderes“ erfährt. Aber das ist es nicht. Das bin alles ich. Und je mehr Frauen diese Absicht ausdrückten, desto mehr merkte ich, dass diese sehr bewusste und überwältigende Kraft nicht von außen kommt, sondern von tief, tief drinnen.
Koonu
Lieber Andrew,
Zwischen uns ist eine Leidenschaft entbrannt, die mich und
die Welt wie wir sie kennen in Stücke reißt. Physisch fühlt es
sich so an, als würde ich mich etwas hingeben, das nichts
Erkennbares mehr von mir oder dem Universum übrig lassen wird.
Diese Freude, die unserer individuellen und gemeinsamen Absicht
frei zu sein, innewohnt, hat unser Leben und die Substanz
unserer Beziehungen unwiderruflich verändert. Unsere Zellen und
die Atome, die die Materie ausmachen, hallen jetzt mit der
Energie einer anderen Dimension des Herzens wider. Ich ertrinke,
mich aufgebend, blind in sie hinein sterbend, ohne zu wissen, wo
oder ob ich mich oder irgendjemand anderen jemals wiederfinden
werde. Es ist so wild und unkontrollierbar und dennoch
weiß ich, dass es von der letztendlichen Bestimmung für
uns alle zu dieser Zeit gelenkt wird. Und so vertraue ich und
sterbe, und vertraue und sterbe, auf das Nichts zu, sodass etwas
einer höheren Ordnung geboren werden kann.
Katherine
Lieber Andrew,
Ich bin so bewusst ... meine Aufmerksamkeit ist in der
Wirklichkeit verankert ... an nichts haftend, und ich finde mich
selbst hier, statt in der großen Menge der Objekte, mit denen
ich mich üblicherweise identifiziere. Es ist so aufregend, die
Entwicklung meines eigenen Bewusstseins so zu erfahren. Es fühlt
sich an, als würde mein ganzes Sein in diesen Prozess
hineingezogen, und das einzig Vernünftige zu tun ist, mich IHM
ganz hinzugeben und mir allem, was geschieht, so bewusst zu
sein, wie ich nur kann.
Kelly
Lieber Andrew,
Wenn wir zusammenkommen, passiert etwas so Wunderbares
zwischen uns, etwas, das so weit jenseits des konzeptuellen
Verstandes liegt, dass es schwierig ist, darüber zu schreiben.
Der Verstand meldet sich immer wieder mit schon bekannten
Konzepten, um das, was zwischen uns geschieht, zu beschreiben,
aber dies geht weit über all das hinaus.
Eine magnetische Kraft zieht das Selbst zum Selbst, wann
immer zwei oder mehr von uns zusammenkommen, um über unsere
Erfahrungen zu sprechen. Es ist ein lebendes Feld der
Verbundenheit, das mit wildem Hunger nach dem, was wahr und was
wirklich ist, sucht. Aber es erfordert alles von einem – die
aktive, unabhängige Entscheidung alles, was ich schon zu wissen
glaube, zurückzulassen und gleichzeitig all meine Aufmerksamkeit
dieser Kraft zu schenken und mich ihr hinzugeben. Diese
Entscheidung ist nicht nur eine autonome Handlung, sondern
buchstäblich ein Akt der Schöpfung. In dieser unabhängigen
Entscheidung allein stehend, bringe ich wirklich Ganzheit in die
Welt der Form und der Bezogenheit als ... wage ich es zu sagen
... Gottes Schöpfung.
Wenn ich dies jetzt schreibe, bin ich mit einer so tiefen und
überwältigenden Liebe, Fürsorge, Dringlichkeit,
Verantwortlichkeit und Ehrfurcht erfüllt, dass es wirklich weh
tut. Nie war ich mir der Bedeutung und Wichtigkeit meines Lebens
und meiner Entscheidungen und der Größenordnung dessen, was
möglich ist, mehr bewusst, als in dem Moment, wenn wir im
Kollektiv, eine Jede von uns unabhängig von den anderen bereit
dazu, zusammenkommen.
Hope
Lieber Andrew,
Alles öffnet sich auf die tiefgehendste und dramatischste
Weise. Das Ziel wird immer realer, je bewusster ich mir werde,
dass das Ziel tatsächlich ich selbst bin. Ich habe ein Gefühl,
als falle ich in mich selbst hinein, in eine Liebe und Tiefe und
Weite, die ich bisher nur als vorübergehende Erfahrung kannte.
Aber jetzt weiß ich, dass das das Ziel ist: es ist Gott und das
bin auch ich und es ist ECHT, und es möchte mit einer Wildheit
ausgedrückt werden, die mir völlig unbekannt ist.
Ingrid