Um des Ganzen willen

Der fünfte Grundsatz

Der fünfte Grundsatz, Um des Ganzen willen, stellt die fundamentale Beziehung des Suchenden zum spirituellen Weg in einen neuen Zusammenhang. In ihm wird die Entwicklung des Motivs für den Freiheitswillen beschrieben.

Wenn wir uns auf den spirituellen Weg machen, wollen die meisten von uns Freiheit oder Erleuchtung natürlicherweise für sich selbst. Darum beginnen wir mit dem ersten Grundsatz, der besagt: Ich will – mehr als alles andere – frei sein. Aber wenn wir diese Bestrebungen ernsthaft und geradlinig verfolgen, uns authentisch entwickeln und dabei reifen, werden wir merken, dass sich unsere Beweggründe bald zu verändern beginnen. Sowie unser Verständnis und unsere Erfahrung wächst, erkennen wir, dass der Wunsch, frei zu sein, keine persönliche Angelegenheit ist. Für den Suchenden, der findet, wird es tatsächlich immer offensichtlicher, dass wir alle Teil eines großen evolutionären Prozesses sind, und dass das Streben nach Freiheit nichts Geringeres ist als ein Ausdruck des evolutionären Impulses innerhalb des menschlichen Geistes und Herzens. Darin erkennen wir, dass das Streben nach Erleuchtung nie nur unserer eigenen Befreiung dienen könnte. Die Bewegung des spirituellen Erwachens ist ein Teil des kosmischen Entwicklungsprozesses, und Ziel der Erleuchtung ist es letztendlich, das Licht des erwachten Bewusstseins in diesen Prozess selbst einzubringen.

Vor vierzehn Milliarden Jahren entstand schlagartig etwas aus nichts, und der höchste Ausdruck dieser wundersamen Aufwallung des Werdens findet sich in der gerade entstehenden Fähigkeit des Menschen, ein höheres Bewusstsein zu erreichen. Bewusstsein ist nicht etwas, das sich im Besitz irgend eines einzelnen Individuums befindet. Aber nur durch einzelne Individuen kann sich Bewusstsein entwickeln. Also ist das Ziel der evolutionären Erleuchtung die Befreiung des einzelnen Menschen von den Ängsten und Begierden des Egos, damit er zu einem offenen Durchgang wird, durch den sich das Bewusstsein selbst frei entfalten und in der Welt zum Ausdruck kommen kann.

Der fünfte Grundsatz besagt: Ich will nicht um meiner selbst willen, sondern um des Ganzen willen frei sein. Wenn das unsere spontane Reaktion auf die Sehnsucht nach Befreiung wird, dann ist etwas sehr Bedeutsames geschehen. Was mit einer freien Entscheidung begann, ist zu einer Verpflichtung geworden, bei der wir keine Wahl mehr haben. Unser zuvor eigennütziges Motiv hat sich weiter entwickelt, so dass es sich nun in Übereinstimmung mit dem Beweggrund des expandierenden Universums befindet: der reinen Leidenschaft des Urknalls, dem Gottesimpuls, der unser eigenes authentisches Selbst ist.

Wenn diese reine Leidenschaft zu unserer eigenen wird, veredelt sich das menschliche Leben: Es wird zum heiligen, zum spirituellen Leben, zu einem Leben mit Bedeutung und Wert. Wir entdecken, dass wir zu Hause angekommen sind und unseren Platz im ganzen Rahmen des Kosmos gefunden haben. Wir wissen, wer wir sind und warum wir hier sind. Solange unsere tiefsten Beweggründe persönlich und egoistisch sind, wird das Leben niemals einen tieferen Sinn haben. Aber wenn wir uns einen Beweggrund zu eigen machen, der alles Persönliche vollkommen überwindet, wird jeder Augenblick aufgeladen mit einem starken Gefühl für Sinn und Ziel. Das ist der Tod des Egos. All unsere kleinlichen Sorgen um uns selbst werden bedeutungslos, denn wir leben nicht mehr um unserer selbst, sondern um des Ganzen willen – verzehrt von der Leidenschaft, völlig frei zu sein, so dass nichts unsere Fähigkeit behindert, mit ganzem Herzen am evolutionären Prozess teilzunehmen.