16. Januar, 2007
Happy End!
Persönliche Gedanken über Sex, romantische Beziehung und evolutionären Idealismus
Seitdem ich lehre, war ich immer nur am Happy End
interessiert. Das Problem dabei ist, dass ich dafür niemals zu
Kompromissen bereit war! Ein glückliches Ende heißt, dass tiefe
karmische Knoten gelöst worden sind und eine tief greifende und
authentische Antwort auf das Leben gefunden wurde. Und ich habe
die Erfahrung gemacht, dass ein Happy End in sexuellen und
romantischen Beziehungen sehr selten ist.
Über all dies habe ich in den letzten Wochen viel
nachgedacht; ich habe gerade meinen 20. Hochzeitstag gefeiert,
und mehrere meiner Schüler sind kürzlich feste Beziehungen
eingegangen. Um all das gebührend zu feiern, trafen wir uns in
der Silvesternacht in Foxhollow zu einer Party (in englisch). Am Nachmittag
hielt ich einen Vortrag über die Herausforderung romantischer
und sexueller Beziehungen (Auszug
und Videoclip des Vortrags hier ) (in englisch), gefolgt von einem Sekt-Empfang.
Anschließend haben
wir uns alle in einem bekannten Jazzclub in der Nähe wieder
gesehen, wo ich mit meiner Jazz-Fusion-Band Unfullfilled Desires
und allen Anwesenden das neue Jahr begrüßte.
Sexuelle, romantische Beziehung ist ein heißes Eisen und ein
sehr herausfordernder Lebensbereich für uns alle. Umso mehr für
diejenigen von uns, die in der postmodernen Epoche aufgewachsen
sind, in der eine Kultur des extremen Narzissmus und das Gefühl
herrschen, dass es im ganzen Universum nichts Höheres und
Wichtigeres gibt als unser eigenes Ego mit seinen endlosen
Begierden. Sex und Verliebtheit sind die heiligen Kühe unserer
Zeit, vor allem wenn wir in ein neues Bewusstsein vordringen
wollen. Unabhängig davon, wie hoch entwickelt (und sogar, in
einigen Fällen, erleuchtet) wir auch sein mögen, ist dies ein
Bereich, zu dem scheinbar die wenigsten von uns eine einfache,
klare und konsequente Einstellung haben. Die Wahrheit ist
jedoch, dass–solange wir noch nicht eindeutig erkannt
haben, dass wir auf der tiefsten Ebene unseres Seins bereits
vollkommen sind–es unvermeidlich ist, dass wir der
überwältigenden Illusion oder dem kulturellen Mythos, den ich
das "Versprechen der Vollkommenheit" (in englisch) nenne, zum Opfer
fallen.
Seit 1977, als ich gerade 22 Jahre alt war und ohne jeden
Zweifel wusste, dass es wichtiger als alles andere war,
erleuchtet zu sein, habe ich mich intensiv mit diesem Thema
auseinander gesetzt. Meine größte Angst seinerzeit war es, dass
ich mit meiner spirituellen Intention nicht erfolgreich sein
würde, wenn ich mich zu sehr von der emotionalen,
psychologischen und spirituellen Feuerprobe ablenken ließe, in
die das Drama von Romantik und Sexualität uns verwickelt. Ich
beobachtete, wie meine eigene und so ziemlich jedermanns
egoistische Aufmerksamkeit sich auf den Tanz der Angst und
Anhaftung, die Anziehungskraft der Reize und den scheinbar
unersättlichen Durst nach Erfüllung fixierten. Wenn dein Ego in
Angst gefangen ist, wie kannst du dann frei sein? Es ist
nicht möglich. So viele westliche Paare, die ich in
spirituellen Kreisen getroffen habe, einschließlich derer, die
selbst Lehrer waren, führten fürchterliche Beziehungen! Und das
war die Zeit, als östliche Lamas und Yogis jeder Art über ihre
Scheinheiligkeit stolperten ... Ich wollte es also wirklich
wissen: Was ist eine wahrhaft angemessene Beziehung zu der
machtvollen Kraft des sexuellen und romantischen Begehrens, wenn
man den Punkt in seiner eigenen Entwicklung erreicht hat, an dem
man mehr als alles andere frei oder erleuchtet sein will?
Nach gründlicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass
lebenslange Enthaltsamkeit für jemanden, der–im Gegensatz
zum klösterlichen Leben auf einem Berggipfel–ein
weltliches Leben lebt, keinen Sinn macht. Als ich spiritueller
Lehrer wurde, wusste ich für mich persönlich, dass es das
Wichtigste und Herausforderndste sein würde, dafür ein Beispiel
zu sein und anderen die Zuversicht und das Vertrauen zu geben,
dass es möglich war, als Mann und Frau in einem Kontext zusammen
zu sein, der eine höhere Entwicklung nicht nur ermöglichte,
sondern sogar unterstützen würde. Ich hatte keine Zweifel, dass
das nur in der Beziehung zweier Menschen möglich sein würde, die
sich beide absolut verpflichtet haben, die Entwicklung des
Bewusstseins über alles zu setzen, und die wissen, dass ihre
Beziehung nicht ihrer eigenen Genugtuung oder ihrem Wohlgefühl
dient, sondern dem Beweis dass es möglich ist, eine
sexuell-romantische Beziehung jenseits des Egos zu leben. Doch
bald wurde mir klar, dass das leichter gesagt als getan war!
Rishikesh, India, 1986
Zum ersten Mal begegnete ich meiner damals zukünftigen Frau
Alka auf einem Meditationsretreat in Bodhgaya in
Nordindien–dem Ort, an dem Buddha erleuchtet wurde. Wir
trafen uns in einem tibetanischen Café an der staubigen
Hauptstraße dieser uralten Stadt und mochten uns auf Anhieb. Sie
ist Inderin, in Bombay geboren und war, nach einer gescheiterten
Ehe, selbst auf spiritueller Abenteuerreise, auf der Suche nach
sich selbst. Ich war gerade mitten auf dem Wege zu meinem
eigenen spirituellen Erwachen. Was wir vom ersten Moment an
teilten, war unsere Leidenschaft für Erleuchtung, und das führte
dazu, dass wir schließlich nach ein paar Monaten zusammenkamen.
Nach zwei Jahren des Reisens, in denen wir verschiedene Ashrams
besuchten und all das taten, was spirituell Suchende in "Mutter
Indien" so tun, machten wir eine schmerzhafte Trennung
durch, die mich emotional angeschlagen, aber auch völlig
unverhaftet ließ, als ich meinem letzten Lehrer begegnete und
dort soviel mehr fand, als ich jemals erwartet hatte.
Innerhalb von Wochen nach diesem lebensverändernden Treffen,
stellte ich nicht nur fest, dass ich selbst die
außerordentlichsten Bewusstseinszustände, die ich jemals
erfahren hatte, erlebte, sondern, zu meiner Überraschung wurden
auch alte und neue Freunde, mit denen ich Zeit verbrachte, in
den gleichen geheimnisvollen Zustand hinein versetzt, in dem ich
mich befand. Inmitten dieses Wirbelwindes reiste ich nach
Bombay, um eine Art Versöhnung mit meiner ehemaligen Geliebten
zu erreichen–nicht unbedingt mit der Erwartung, wieder
zusammenzukommen, aber mit dem Bedürfnis nach einer positiven
Klärung. Innerhalb von Stunden des Zusammenseins wurde Alka von
der gleichen Klarheit und mystischen Ekstase, in der ich mich
befand, mitgerissen und folgte mir bald nach Rishikesh zu der
kleinen Gruppe von Schülern, die sich um mich versammelt hatten.
Es wurde sehr schnell deutlich, dass wir bereits tief verbunden
waren, aber ich fühlte, dass ich Klarheit darüber schaffen
musste, was es für uns bedeuten würde, wieder zusammen zu
sein–nun, nachdem sich alles verändert hatte. An einem
Nachmittag gingen wir am Ufer des Ganges spazieren und ich sagte
ganz deutlich und unmissverständlich zu ihr: "Wenn du mit mir
zusammen sein willst, dann musst du dich Diesem genauso hingeben
wie ich." Sie willigte mit ganzem Herzen ein und sechs
Monate später waren wir verheiratet.
Foxhollow, Lenox, MA, 2007
In den darauf folgenden Jahren wurde offensichtlich, dass sie
in der Transformation noch nicht gefestigt war, welche sie
überwältigt hatte und die noch immer viele der Menschen
elektrisierte, denen wir auf unseren Reisen durch Europa und die
Vereinigten Staaten begegneten. So wie bei den meisten anderen
war ihre Transformation flüchtig, denn wenn die Intensität der
höheren Erfahrung nachließ, zeigten sich die meisten
Egostrukturen noch immer intakt. Zwangsläufig vergaß sie, selbst
inmitten des außerordentlichen Lebens, das wir führten, warum
wir zusammen waren und was wir versuchten, zu erreichen. Diese
heikle Situation verursachte große Spannungen in unserer
Beziehung. Für mich war das Einverständnis, zu dem wir am Ufer
des Ganges gekommen waren, unser Eheversprechen, und ich fühlte,
dass sie den höheren Zweck unserer Verbindung, zu dem auch sie
sich verpflichtet hatte, aus den Augen verloren hatte und nicht
zu würdigen wusste. So wie die meisten meiner Schüler brauchte
auch sie viele Jahre, um auf der tiefsten Ebene über die
persönliche Sphäre hinauszuwachsen und ihre eigene autonome
Verpflichtung für die ursprüngliche Leidenschaft der
spirituellen Freiheit zu finden, auf der unsere Beziehung
basierte. Aber wir beide hielten durch (auch wenn wir jahrelang
nicht zusammengelebt haben) und sind schließlich, und das kann
ich mit aller Aufrichtigkeit sagen, echte spirituelle Partner in
dem, was ich gerne die "Evolutionsrevolution" nenne.
Es ist also in der Tat ein Happy End ... und ein neuer
Anfang–so jedenfalls fühlt es sich an. Auch viele meiner
Schüler haben hart an der Fähigkeit gearbeitet, das Ego zu
transzendieren, mit dem Erfolg, dass viele bestehende Beziehungen
erneuert und neu belebt wurden, und neue Partnerschaften nun tatsächlich
auf einem soliden Fundament beginnen können. Dieses solide Fundament ist
das gemeinsame Verständnis, dass das Motiv für eine Partnerschaft
buchstäblich in der Erschaffung neuer Strukturen in Bewusstsein und Kultur
liegt, in dem Vertrauen, Wahrheit und evolutionärer Idealismus die Funken
sind, die uns zusammenhalten–und nicht Verlangen, Illusion und der
Wunsch nach Sicherheit.