Neues von andrewcohen.de
E-mail Adresse bitte hier eingeben.

6. Januar, 2008

Das Universe Project geht weiter ...

Die beiden letzten Wochen des Jahres 2007

In den letzten Wochen des Jahres 2007 ist wirklich viel passiert! Am 19. Dezember fuhr ich nach New York, um Deepak Chopra für das Magazin What is Enlightenment? zu interviewen. Ich hatte mit der Idee seit einem Jahr gespielt, als er zu einem gemeinsamen Mittagessen mit mir und meinem Kollegen und Schüler Carter Phipps in unserem Zentrum vorbeischaute. Wir waren uns beim Parlament der Weltreligionen zum ersten Mal begegnet, aber bis wir die Gelegenheit hatten, uns in privatem Rahmen zu treffen, ahnte ich nicht wirklich, was für ein Mensch er tatsächlich ist.

Jetzt habe ich Deepak als zutiefst aufrichtigen und authentischen Menschen schätzen gelernt. Er ist sensibel, fürsorglich, umsichtig, großzügig und denkt tief über die Dinge nach. Ich muss zugeben, dass ich nicht immer so dachte. Mein erster – und falscher – Eindruck davon, wie er in der Öffentlichkeit erscheint (und ich hoffe, er wird es mir verzeihen, dass ich das so sage) war der eines oberflächlichen Verkäufers, dessen Ehrgeiz seine spirituelle Tiefe übertrifft. Vor zehn Jahren haben wir sogar ein leicht geringschätziges Interview mit ihm in WIE gebracht, das wir "Der Mann mit der goldenen Zunge" betitelten. Nachdem ich ihn in den letzten Jahren besser kennen gelernte und einsah, wie falsch ich gelegen hatte, wollte ich meine Fehleinschätzung wieder gutmachen.

Außerdem war und bin ich noch immer von ihm fasziniert. Fasziniert hauptsächlich von seiner unerschöpflichen Energie! Er hat über 50 Bücher geschrieben, obwohl er fast ununterbrochen reist, lehrt und Vorträge hält. Er sagt, dass er nie unter Müdigkeit oder Jetlag leidet. Er ist immer frisch, enthusiastisch, voll von neuen Ideen und kleinen und großen Projekten aller Art – von seiner globalen Alliance for a new Humanity über Filme, an denen mitarbeitet, bis hin zu Konferenzen, die er veranstaltet. Es ist nicht nötig, auf philosophischer Ebene vollkommen mit ihm übereinzustimmen, um von seiner unglaublichen kreativen Kraft und Leidenschaft tief beeindruckt zu sein.

Zwischen all seinen anderen Aktivitäten moderiert er auch eine wöchentliche dreistündige Sendung bei Sirius Radio. Bevor wir also für dieses Interview zusammenkamen, war ich Gast in seiner Show. Sobald wir auf Sendung waren, war das Erste, was er mir sagte, dass er zwei Tage zuvor nach einem Vortrag in Harvard im Zug von Boston nach New York eine Erfahrung hatte, bei der alles verschwand und er überall nur noch weißes Licht sehen konnte. Dann fragte er mich: "Was, meinst du, war das?"

Nach der Aufnahme aßen wir gemeinsam zu Mittag. Im Restaurant und später, als wir durch die vollen Straßen von Manhattan zum Chopra Center gingen, kamen mehrere Menschen auf ihn zu und dankten ihm überschwänglich dafür, wie sehr er ihnen geholfen hatte, ihr Leben zu verändern.

Meine ursprüngliche Idee für das Interview mit ihm war herauszufinden, was die Quelle seiner unermüdlichen Energie ist. Wie schafft er es, so viel, so schnell und das anscheinend ohne Anstrengung zu erreichen? Und wie sieht sein eigenes inneres Leben wirklich aus? Ich wollte ihn nicht nach seinen Meinungen über irgendetwas befragen, denn er hat buchstäblich schon Tausende von Interviews gegeben, und hat, ganz nach seiner Art, sehr wohlformulierte Meinungen über alles.
Und er hat uns nicht enttäuscht.

Wir werden das Interview in der nächsten Ausgabe von WIE veröffentlichen. Es hat den Titel "The Mythic Life and Times of Deepak Chopra". Hier ein kurzer Auszug:

"In den letzten 10 oder 12 Jahren war es so, dass ich nachts, wenn ich schlafen gehe, eine halbe Stunde lang meditiere und eine halbe Stunde lang schlafe, wieder eine halbe Stunde lang meditiere und eine halbe Stunde lang schlafe. Und wenn ich schlafe, dann ist das ganz und gar im Zustand des Zeuge-Seins. Meine Frau weiß das, denn sie sieht mich aufrecht im Bett sitzen. Und ich habe begonnen eine ganz nüchterne, undramatische, aber sehr vernehmliche und ungebrochene Bewusstheit im Zustand des Zeugen zu erfahren, ob ich schlafe, träume oder wach bin. Der Zeuge ist immer da – er ist jetzt da, zum Beispiel. Und das ist nichts Dramatisches, aber es ist definitiv Teil dessen, was ich im Moment bin. Ich bereite mich auf Vorträge nicht mehr vor. Ich habe das früher gemacht, zum Beispiel, wenn ich einmal jährlich einen Vortrag an der medizinischen Fakultät in Harvard halte, an der mein Bruder Dekan ist.
Aber jetzt stelle ich fest, dass ich meine Vorträge ganz natürlich gebe. Es kommt spontan aus mir heraus, und während ich spreche, ist da diese Qualität des Zeuge-Seins."
              

Deepak Chopra in seinem Interview in WIE

Ein paar Tage später, zurück in Lenox, machte ich mich an die Nummer 19 der fortlaufenden Serie der "Guru & Pandit"-Dialoge zwischen mir und dem integralen Philosophen Ken Wilber. Wir hatten eine tief gehende und wirklich faszinierende Diskussion über das Universe Project.

Ich beschrieb ihm im Detail meine entstehende Vision eines dynamischen und sich immer weiter entwickelnden Zyklus für meine Schüler und Unterstützer (die ich in meinem letzten Blog zum ersten Mal beschrieben habe). Jedes Jahr wird eingeteilt sein in ein fokussiertes, intensives und engagiertes Retreat, welches dem Ziel des Evolutionary Enlightenment gewidmet ist: der individuellen und kollektiven, subjektiven und intersubjektiven bewussten Evolution. Und 6 Monate später werden wir eine internationale Konferenz in New York und/oder London veranstalten, die sich den Prinzipien und der dynamischen Leidenschaft widmet, die hinter dem Magazin What is Enlightenment? steht: einer offenen Untersuchung der Beziehung zwischen der Evolution des Bewusstseins und der Evolution der Kultur

Hier ist ein Auszug aus unserem Dialog:

AC: Das Retreat würde direkt in die Konferenz einfließen. Und die Konferenz direkt in das Retreat. Eins würde auf das andere einwirken. Und so würde es immer wieder hin- und hergehen. Was mich daran so begeistert ist, dass dieser Prozess von Natur aus integral ist – die Art und Weise wie das Nach-Innen-Gehen direkt das Nach-Außen-Gehen informieren wird. Und genauso wird all das, was wir in den Konferenzen und von all unseren Freunden und Mitstreitern lernen, die Art der Fragestellung beeinflussen, die wir benutzen, wenn wir nach innen gehen. Und der Prozess würde von Jahr zu Jahr weitergehen. Der gesamte Zyklus ist fortlaufend evolutionär.

Wenn das also so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, dann würde in allen 4 Quadranten individuelle und kollektive Entwicklung über ein, zwei, drei, vier, fünf Jahre hinweg stattfinden, die fühlbar, messbar und quantifizierbar ist. Und das Tolle daran ist, dass die Welt, die wir erschaffen, zunehmend andere Gruppen, Perspektiven und Individuen einschließen würde, die eine wirklich evolutionäre Spiritualität anspricht. Wir würden immer mehr und mehr von der Welt mit einschließen. Wir würden mehr und mehr Leute einladen. Ich bin sehr begeistert davon.

KW: Das klingt toll. Mir gefällt das Modell. Es ist wirklich in einem sehr integralen Ansatz begründet. Das kann man sogar historisch betrachten. Wenn wir uns die Bewusstseinszustände anschauen, dann beschreiben die Traditionen vier oder fünf Hauptzustände: grob, subtil, kausal und nondual. Und als man zum ersten Mal das Kausale oder die Leere verstand, war das eine Entdeckung des Nirvana, das herausführt aus Samsara – heraus aus der Welt der Formen, der Manifestation. Zustände wurden als Weg der Befreiung von der Welt der Formen verstanden. Und das ist genau das, was wir allgemein in der Achsenzeit der Geschichte vorfinden, von Parmenides bis Buddha Gautama. Danach, innerhalb von sechs- oder siebenhundert oder achthundert Jahren, bewegte sich die menschliche Evolution durch die kausalen Zustände hindurch in die nondualen, in Turiyatita.

Und da gab es eine ganze Revolution, die vom Mahayana-Buddhismus ausging: die Erkenntnis, dass Nirvana nicht von Samsara getrennt ist, dass sich Samsara nicht von Nirvana unterscheidet. Und so entstand das nonduale Verständnis, dass der unbegrenzte radikale Grund des Seins sich in relativer Form ausdrückt. Es ist tatsächlich die Summe beider, welche letztendlich die Realität ausmacht. Und damit hat man einen guten Kontext, um die manifeste Welt zu verstehen. Wie führt das dann wieder zurück in den Seinsgrund, in diesen absoluten Zustand, diese große Befreiung? Nur große Befreiung zu erlangen wird nicht genug sein! Sie muss in die moderne und postmoderne Welt integriert werden!

Und auf dieser Ebene sehe ich dich dann aus zwei verschiedenen Richtungen arbeiten. Eine ist, zu übersetzen – nicht nur zu transformieren, sondern zu übersetzen. Wir definieren Transformation als einen Wechsel von einer Ebene zur anderen und Übersetzung als Bewegung innerhalb einer Ebene. Allerdings verbringt jeder den Großteil seiner Zeit mit Übersetzung. Die Transformation ist relativ selten. Und wenn du dich transformierst – toll, was machst du dann? Du übersetzt auf dieser Ebene. Übersetzung wird also stark unterschätzt. Sie ist eine Art zu lernen, ein Yoga. Es geht darum zu lernen, die jetzige Situation so zu übersetzen, dass Transformation geschehen kann.

AC: Und Evolution!

KW: Und Evolution. Evolution und Transformation sind dabei im Grunde das Gleiche.

Andrew Cohen und Ken Wilber im Dialog, WIE 28, Juni 2008

Dann, am letzten Wochenende des Jahres, habe ich hier in Foxhollow ein 3-Tages-Retreat geleitet, welches, glaube ich, das beste bisher war. Ich weiß, ich sage das immer, aber das ist einfach Teil der Erfahrung der Entwicklung, vorausgesetzt, man entwickelt sich tatsächlich ... Die eigene Erfahrung ist dann ständige Bewegung, Fortschritt oder Evolution in der Zeit, in einem ekstatischen Fluss erwachter Dringlichkeit.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich es mir angewöhnt, oft dreistündige inspirierte Vorträge zu halten. Es scheint, dass ich, wenn ich erstmal loslege, nicht wieder aufhören kann! Alle Anwesenden scheinen auf jeden Fall in einen veränderten und tief inspirierten Bewusstseinszustand einzutreten.

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie es ist, mit mir auf einem Retreat zu sein, können Sie sich diese Frage und Antwort über Dringlichkeit und das, was ich das Authentische Selbst nenne, anhören.
Zwischen all diesen Dingen war ich abends in den Clubs der Gegend mit meiner Band Unfulfilled Desires unterwegs und wir haben dort die Auftritte für unsere dritte CD aufgenommen. Und am Montag, dem 31. Dezember, endete das Retreat am Mittag und wir haben uns in Autos und einem großen gemieteten Bus nach New York aufgemacht, wo ich einen öffentlichen Dialog über die Beziehung zwischen Kreativität und Spiritualität mit dem Künstler und Integralen Denker Alex Grey in seiner Loft/Galerie, dem COSM Center in Manhattan gehalten habe. Über 500 Leute kamen zu dem Abend, und nach dem Dialog spielte Unfulfilled Desires von 22 Uhr bis Mitternacht.
Hier ist einen Video-Zusammenschnitt von der Party! http://www.wie.org/unbound/media.asp?id=205

Während der letzten Session des Retreats habe ich die Teilnehmer gefragt: Was ist die Beziehung zwischen dem Beginn des neuen Jahres und der Klarheit der Absicht, der Grundlage des Evolutionary Enlightenment? Was verbindet den Anfang des neuen Jahres mit den eigenen höchsten und tiefsten Absichten?

Ich glaube, für uns alle sollte das kurzfristige Ziel sein, dass die Beziehung zwischen der Klarheit der Absicht und dem neuen Jahr absolute Non-Dualität ist. Das würde bedeuten, dass es keine Lücke mehr gäbe zwischen unserer tiefsten Absicht, unseren höchsten Beweggründen und dem Leben, das wir jetzt in diesem Moment leben.

Ein gutes Neues Jahr!